Veröffentlicht in Indonesien

Lombok „Kreuz und Quer“

Der Weg ist das Ziel.

Das Südostasien – neben weiteren Ländern auf dieser Erde – ein großes Müllproblem hat, ist bekannt. Auch vor unseren Augen häuft sich in vertrockneten Flüssen, am Wegesrand, zwischen grünen Palmen und am Strand der Müll. Überall sieht man weißen Rauch aufsteigen oder fährt direkt an den stinkenden Rauchschwaden vorbei, wenn gerade wieder der Müll verbrannt wird. Häufig kommen wir aus dem Kopfschütteln schon gar nicht mehr heraus und die Diskussionen darüber, wie man dieses Problem in den Griff bekommt, sind abendfüllend. Unsere vorerst letzte Nacht auf Bali verbrachten wir in Padang Bai. Einem kleinen Örtchen mit einem recht schönen Strand etwas abseits und einem wirklich leckeren Schnitzel im Omang Omang. Beim Verlassen des Restaurants kam Jan noch mit zwei Personen ins Gespräch, die hier vor einiger Zeit ein Hostel eröffnet haben. Um die Straße vom täglich anfallenden Müll zu befreien, wurde ein Einheimischer angestellt, der irgendwann zur Erkenntnis kam, dass er für das Mülleinsammeln gar kein Geld mehr haben möchte, da es ja selbstverständlich ist, diesen wegzuräumen. Dass das Umdenken jedoch sehr sehr langsam stattfindet, wurde uns gleich am nächsten Morgen deutlich. Wir warteten auf das Ablegen der preislich günstigeren Fähre (3,00 €) und schauten zu, wie sich Massen von Touristen auf einen kleinen Steg quetschten und darauf warteten, dass sie mit dem Speedboat (16,00 – 23,00 €) zu einer der berühmten Gili Inseln oder nach Senggigi Lombok geschifft werden. Ungläubig schauten wir uns an, waren nicht mal in der Lage dieses Szenario so schnell auf Kamera festzuhalten, weil wir einfach zu perplex waren, was gerade passiert. Da putzt ein Einheimischer einige Boote weiter genau solch ein Speedboat mit der Zahnbürste, schrubbt akribisch die Fugen sauber und schüttet dann zwei große Mülleimer mit Plastik einfach neben sich ins Wasser und alles treibt langsam und stetig ins offene Meer. Natürlich wissen wir nicht, wie die Entsorgung auf den Fähren und anderen Booten von statten geht und hoffen inständig, dass das nur ein Einzelfall ist. Dennoch überlegen wir mittlerweile zweimal, wo wir unsere Plastikflaschen entsorgen. Als Alternative nutzen wir einen auffüllbaren Wasserbeutel mit Trinkschlauch, der sich wesentlich besser im Rucksack tragen lässt, als eine Wasserflasche.

Nach 4h erreichten wir den Fährhafen Lembar auf Lombok. Wenn man Pech hat, kann diese Fahrt inklusive Wartezeit vor dem Anleger, inklusive Be- und Endladen, auch mal 7h dauern. Für uns gilt jedoch noch: Der Weg ist das Ziel.
Schon während der Fahrt in den Süden nach Kuta Lombok und in Kuta selbst sieht man bereits den Wandel. Überall steht Land zum Verkauf, Straßen werden erneuert bzw. komplett neu gebaut, überall durchziehen grauen Betonmauern die Landschaft, wo demnächst Hotels, Geschäfte, Restaurants und ganze Resorts entstehen. Natürlich gibt es in Kuta eine Menge Homestays und Hotels, Angebote für etliche Touren ins Umland, hippe Bars und Restaurants jeder Preisklasse – obwohl man die wirklich günstigen lokalen Warungs schon suchen muss. Dennoch ist Kuta und seine Umgebung noch recht überschaubar und ursprünglich. Die Jugendlichen knattern mit ihren getunten Mopeds lauthals durch die Straßen, es gibt keine überteuerten und stylischen Klamottenläden und man kann gemütlich am Strand bei einem Bier am Lagerfeuer sitzen. Die unzähligen, teilweise menschenleeren Strände und Buchten – egal ob östlich oder westlich von Kuta – liegen max. 30 Minuten mit dem Scooter entfernt und bieten entweder beste Bedingungen für Surfanfänger oder –profis, Schnorchelfans oder Badebegeisterte.

Für die Aufsicht der Scooter bezahlt man an jedem Strand 10.000 IDR, da es wohl häufiger zu Diebstählen kommt. Auch sollte man sich im Südosten – so die meisten Homestaybesitzer – nicht mehr nach der Abenddämmerung rumtreiben. An die Kinder, die einem jeden Tag Armbänder und anderen Schmuck verkaufen wollen, muss man sich schlichtweg gewöhnen – auch wenn es teilweise echt anstrengend werden kann. Am Anfang klopft da wirklich das schlechte Gewissen an die Tür, wenn man nicht den ganzen Arm voller Bracelets haben möchte. Wenn man dann noch seit einer Stunde auf sein Essen im Restaurant wartet, das bestellt Knoblauchbrot aus labbrigen Weißbrot und ganzen Knoblauchscheiben besteht (wir haben wirklich ganz schrecklich gestunken), das indonesische Gericht am Ende noch schlimmer schmeckt als das Knoblauchbrot davor und mindestens 15 Kinder an dem Abend an deinen Tisch kommen und dich mit ihren traurigen schokoladenbraunen Augen anschauen, muss man wirklich tief und sehr lange durchatmen. Auch früh am Morgen nach einer wirklich schlaflosen Nacht ist da bei uns die Geduld ein wenig am Ende. Nach 4 Nächten wollten wir daher das ultimative Strand- und Erholungsfeeling. Die drei großen Gilis im Norden kamen für uns für solch ein Vorhaben nicht in Frage, daher ging es auf die noch etwas unbekannten Gilis im Südwesten. 500 Meter liegt Gili Gede nur vom Festland entfernt und trotzdem hat man das Gefühl ganz weit weg von der Hektik und der Lautstärke der Stadt zu sein. Einsame Strände, nur wenige Unterkünfte und fast gar keine Bars oder Restaurants – obwohl auch hier viel in Planung ist –, kleine Minidörfer im Landesinneren, wo jeder wissen möchte wie es dir geht und wohin du willst – ohne dir was verkaufen zu wollen – sowie Ziegen, Kühe und Hühner, die sich noch frei bewegen können, findet man hier. In unserer ersten Unterkunft gab es nur Strom von 17:00 – 21:00 Uhr, kein fließend Wasser und Internet sowieso nicht. Perfekt um zu entspannen, zu schnorcheln und um Yoga zu probieren.

Für uns wurden aus 3 geplanten Nächten 5 (3 davon im Westen der Insel im Via Vacare und die letzten 2 Nächte im Osten im Thamarind Hotel, wo es sogar Internet gab). Jan, mit dem wir bis dahin unterwegs waren, flog nach drei Nächten weiter nach Kuala Lumpur. Aber alle guten Dinge sind Drei – mal schauen, wo sich unsere Wege nochmal kreuzen, spätestens jedoch nächstes Jahr in Köln.

Wir haben vor unserer Reise mit Absicht keine Bucket-List angefertigt, um nicht ständig dem Zwang zu verfallen, jeden Punkt auf der Liste abhaken zu müssen. Dennoch hat ja jeder so insgeheim für sich solch eine Liste. Als wir am zweiten Tag zum Schnorcheln aufbrachen, beschloss ich einfach, dass ich heute eine Schildkröte sehen möchte!
Salzwasser drang in meinen Schnorchel, Wasserblasen blubberten um mich herum, als ich hektisch rumgestikulierte, mich vor Freude verschluckte und krampfhaft versuchte die anderen über die riesig dahingleitende Schildkröte zu informieren. Geil, geil, geil. Wer bekam von diesem tollen Erlebnis natürlich nichts mit? Unsere GoPro! Wer braucht die schon beim gefühlt 1000 Schnorcheltrip.
Nach den Faulenzertagen ging es für uns weiter in den Nordwesten Lomboks, nach Senggigi. Von hier aus kann man wundervolle, aber auch schweißtreibende Touren zum Vulkan Rinjani buchen. Feuer und Flamme war ich dafür, diese Tour aufs äußerste zu vermeiden. Sehr zum Leidwesen von Nico. Auch die Horrorstories von gekenterten Booten, mörderisch rauer See – natürlich in der Nacht wo man eh nichts sieht – und gefräßigen Komodowaranen, ließ mich diese Ausflugsoption flott ad Acta legen. Stattdessen griffen wir auf den altbewährten Scooter zurück, entdeckten die Gegend am Fuße des Rinjani und Schwuppdiwupp folgten wir auch schon einem Einheimischen, der uns einen Wasserfall zeigen wollte – Googlemaps kannte das Fleckchen, wo wir dann waren jedenfalls nicht. Skepsis von meiner Seite, während Nico schon alles abgeklärt hatte. Ab aufs Gefährt, rein in den Regen, warten auf das Ende des Schauers – meine Skepsis wuchs nach einer Stunde warten unter einem Dachvorsprung, wieder auf den Scooter mit extragroßem Regencape und Stopp vor einem riesigen Bagger. Ok, dachte ich. Schade, ist die Straße grad im Bau. Ja denkste. Augen zu und durch die schlammige Erde. Wir haben uns natürlich bei den tiefen Erdrillen und dem weichen Untergrund nicht langgelegt, dennoch zog ich es vor bei größeren Hügeln zu laufen. Schmatzend gruben sich meine cremefarbenen Chucks in den braunroten Schlamm, das ultra lange Regencape raffte ich elegant zusammen und stampfte los, während Nico wie auf einer Crossstrecke die Scooterräder durchdrehen ließ und den Berg hinauf sauste. Vorbei an Reis- und Erdnussfeldern landeten wir wirklich an einem Wasserfall, umringt von dichtem Dschungel und Affen weit oben in den Baumwipfeln. Der Wasserfall an sich war jetzt nicht der Knüller, aber die Fahrt dahin und der Ausblick von der kleinen Baumplattform definitiv. Am Ende saßen wir noch bei Amin zuhause, schürften leckeren Lombokkaffee und unterhielten uns über seine Pläne, in der Nähe eines anderen Wasserfalls Bambusunterkünfte zu bauen. Über Geld wurde natürlich nicht gesprochen, dennoch gaben wir ihm für den wirklich netten und erlebnisreichen Nachmittag einen kleinen Obolus.
Oberhalb und auch unterhalb des Rinjani gibt es eine Menge Wasserfälle. Wir beschlossen: Da geht noch was. Also besuchten wir zwei wirklich imposante Exemplare – Sendang Gile und Tiu Kelap – zusammen mit unserem 12-jährigen Guide, der fleißig rauchte. Endlose Treppen hinunter – ich dachte bereits an die Qualen auf dem Rückweg – standen wir auch schon vor einem der beiden Wasserfälle. Ja, dass konnte sich sehen lassen. Weiter ging es durch dichtes Grün, unter meterhohen Bäumen hindurch, über glitschige Flussläufe und spitze Steine zum noch höheren Wasserfall. Ja, der konnte sich erst recht sehen lassen. Wirklich beeindruckend.

Tiu Kelap
Tiu Kelap

Da die Lage auf Bali mit dem bevorstehenden Vulkanausbruch schwer einzuschätzen war, beschlossen wir dem wenig bekannten Osten von Lombok einen Besuch abzustatten. Die Auswahl an Unterkünften war sehr beschränkt, dennoch fanden wir eine wirklich süße Übernachtungsmöglichkeit im Bidara Cottage. Restaurants gibt es keine, Warungs nur etwas außerhalb und Supermärkte überhaupt nicht. Am schwarzen Strand sah es recht wüst aus oder besser gesagt: authentisch real. Reste von heruntergefallenen Kokosnüssen, Blattwerk, faul rumliegende Hunde, kaputte Holzboote, marode Stege und mehr oder weniger intakte Bambushütten, auch der Müll war nicht zu verachten. Was wollten wir also hier?
Schnorcheln, um eine kleine Insel wandern, schnorcheln, um eine etwas größere Insel wandern, schnorcheln und wieder um eine Insel wandern.

Gili Pasir
Gili Pasir

Diese Unterwasserwelt toppte bisher alles. Das liegt zum einen daran, dass die Inseln recht unbekannt sind und zum anderen an den Einheimischen, die sich für den Erhalt der Riffe einsetzen – jedenfalls einige. Hier werden zur Wiederansiedlung zerstörter Korallen Metallgitter vor der Küste installiert. Natürlich abgebrochene Korallen werden auf den Gittern befestigt und mit Strom zum Wachsen angeregt. Auch auf Curaçao gibt es solch ein Projekt. Super auf der Homepage von Reisezeilen.de beschrieben.

Der eigentliche Plan nach Lombok war es, noch einmal nach Bali rüber zu fahren und im Süden Surfen zu gehen. Innerhalb von 2 Nächten hat sich natürlich noch nichts am Vulkan getan und was man auf Bali machen kann, geht auch auf Lombok. Zurück in Kuta Lombok suchten wir uns einen preislich vertretbaren Surfshop, schnallten die Bretter an den Scooter und surften professionell die meterhohen Wellen auf unseren kleinen Fishboards, während die Locals vor Neid erblassten. Traum zu Ende! Stattdessen schluckte ich wahnsinnig viel Wasser und ersparte mir so die häusliche Nasenspülung, demolierte mir meine linke Poseite und Nico paddelte kraftlos mit blutiger Augenbraue ziellos umher. Aber mal von vorne: Surfen kann jeder. Irgendwann in der ersten halben Stunde steht jeder auf dem Brett, die Frage ist nur wie lange.
Zwar fahre ich fleißig jedes Jahr mit zum Surfen, begutachte aber lieber das Geschehen vom weichen trockenen Sandstrand. Nico hat da schon einige Erfahrungen, daher galt der erste Surftag ganz mir. Am Selong Belanak können Anfänger das Surfen lernen. Entweder bucht man direkt in Kuta eine Lesson, man findet aber auch vor Ort diverse Anbieter. 16,00 € haben wir pro Person für 3h bezahlt. Kurze Trockenübungen am Strand und ab ging es auch schon ins wirklich flache Wasser mit annehmbaren Wellen. Paddeln brauchte ich anfangs auch nicht, da mein Guide „Slim“ so freundlich war und mich an schupste. Ja, da stand ich auch schon bis das Board schon fast wieder am Strand auf Grund lief und die Boardspitze weit nach oben ragte. Zu weit hinten, teilte mir Slim mit, reckte aber lobend die Daumen in die Höhe. Die ersten 1,5h vergingen wie im Flug und nach einer Pause ging es auch schon weiter. Zwar stand ich immer noch zu weit hinten und mehr oder weniger fest – eher weniger – auf dem Board, aber ich stand. Die Haare sind ja schon fast wieder trocken, dachte ich noch scherzmäßig, als ich auch schon in einen ordentlichen Schleudergang geriet, der mich unsanft auf meinen Allerwertesten beförderte und mir kurz einen Krampf bescherte. Kurz zu Nico: Er langweilte sich etwas bei den Miniwellen. Am Abend hatte sich zwar der Krampf gelegt, jedoch leuchtete mein Hinterteil wie ein Pavianarsch. Auch bei Wolken immer schön Sonnencreme benutzen.

Nachdem wir insgesamt 4 Surfstunden hatten (Nico 4, ich 2) würde ich keine Surfschule mehr in Kuta buchen. Es war auf keinen Fall schlecht und für mich als Anfänger, der sein nicht vorhandenes Können weiter ausbauen möchte, reicht das Flachwasser allemal. Hier steht halt eher der Spaß im Vordergrund und nicht, wie ich einen sicheren Stand auf dem Board erziele oder sogar die Richtung wechseln kann. Wenn du stehst – egal wie und wie lange – werden die Däumchen von allen Guides in die Höhe gestreckt, während sie sich weiter mit ihren Kumpels im Wasser unterhalten. Das Mädchen neben mir versuchte krampfhaft den anfänglichen Avancen ihres Guides auszuweichen, schrammte sich bei jedem Take Off die Knie auf, weil ihr falsch erklärt wurde, wie man richtig aufsteht. Daher recherchierte Nico am Abend fleißig und stieß auf viele positive Bewertungen unter einem Namen. Sarriel aus Gerupuk. Ebenfalls nur 30 Minuten von Kuta entfernt, schrieben wir ihn an, ob er uns noch reinrutschen könnte. Übernächsten Tag saßen wir auch schon im Boot und führen zum Surfspot hinaus. Vorher bekamen wir natürlich auch hier eine Einführung und die war zwar nicht komplett anders als die von Vorgestern, jedoch wesentlich aufschlussreicher. Die feinen kleinen Unterschiede machen es. Hände auf Rippenhöhe, um ordentlich Kraft zum Aufstehen zu haben, das hintere Bein gleichzeitig oder Millisekunden früher hochziehen, den Fuß flexen und dann ohne Schwung aufstehen und die Knie ordentlich tief beugen. Will man die Richtung ändern, Knie und Oberkörper bewegen. Die Theorie wäre geschafft und irgendwo da mitten im Wasser, unter dir das Riff, welches dir bei Ebbe gefährlich nah kommen kann, sollten wir also Surfen. Ein wenig nervös war ich schon. Es ist dann doch etwas Anderes vom Strand aus ein paar kleine Wellen anzupaddeln. Ängstlich vergewisserte ich mich zum 5. Mal, ob das wirklich für Anfänger geeignet ist. Die Wellen waren doch recht hoch. Das Boot ankerte außerhalb des Lineup, Surfbretter ins Wasser, wir ebenfalls, rauf aus Board und paddeln, paddeln, paddeln. Sarriel schnappte sich Nico und parkte mich erst einmal am Rand, wo die Wellen mich nicht gleich vom Board zu reißen drohten. Sah ja recht einfach bei Nico aus. Das schaff ich. Ich schaff das. Zwar sollte ich die Welle anpaddeln, aber Sarriel half dennoch nach und schrie nur über die Welle „up“ hinterher und ich stand doch tatsächlich. Bevor es in die zweite Welle ging wurde ausgiebig erklärt, was ich falsch mache (ich stehe immer noch zu weit hingen) und wie ich mein Take Off verbessern kann. Da wird auch schon mal die Trockenübung vom Strand direkt im Wasser bei Wellengang geübt, während er das Board auf Position hält. Selbstverständlich sitzt er ebenfalls auf der Microversion meines Surfbrettes, welches fast so groß ist wie das Boot mit dem wir rausgefahren sind. Teilweise sind mir die Wellen jedoch wirklich ein wenig zu groß und wie Sarriel gut bemerkt, habe ich zu viel Angst um einfach locker an die Sache ranzugehen. Daher beförderte mich die nächste Welle auch gleich vom Board. Diesmal stand ich zu weit vorne und klatschte vor dem Board ins Wasser. Wenn ich dachte der Waschgang von Vorgestern war schrecklich, wurde ich eines Besseren belehrt. Vor lauter Schreck schluckte ich so viel Wasser, dass ich für die nächsten Jahre mein Salzbedarf gestillt sein sollte. Kurzzeitig wusste ich auch nicht, wo ist das Brett, wo ist das Riff und wo war ich. Also erstmal flott die Hände schützend über dem Kopf halten und schauen, wann man auftaucht. Schnappatmung und einen ausgiebigen Hustenanfall später versuchte ich das abseits treibende Brett an der Leash einzusammeln, wurde jedoch von der zweiten größeren Welle vereitelt. Die Dritte rollte bereits heran. Schwungvoll und völlig unelegant warf ich mich auf mein breites Floß und versuchte der Welle zu entkommen. Klappte nicht. Also wieder rauf aufs Brett und dann gib ihm fünf. Das war der Moment, wo ich kein Bock mehr hatte. Wellen sind eindeutig Herdentiere. Wenn dann gibts fünf böse hintereinander und dann ist erstmal wieder etwas Ruhe. Diese Ruhe nutzte ich und paddelte……….bis ich einen Stiernacken hatte. Einmal versuch ich es noch, dann schwimm ich zum Boot. Dieser Satz kreiste ebenso oft in meinem Kopf herum, wie ich die Arme abwechselnd in das Wasser grub, um ein wenig vorwärts zu kommen.
Ich schaffte noch zweimal und das war dann auch mein Erfolgserlebnis. Beide Male stand ich wirklich gut und konnte sogar schon ein wenig nach rechts aus dem Lineup herauslenken. Danach schickte mich Sarriel ins Boot, ohne dass ich etwas sagen musste. Na ein Glück. Nico betrachtete zwar auch ab und an die Wasseroberfläche von unten, war aber wesentlich furchtloser als ich. Da er sich allerdings die letzten Jahre eine verkehrte Technik angeeignet hatte und ihm diese beim sauberen Take Off Probleme bereitete, wurde gleich noch eine Lesson für den nächsten Tag vereinbart. Ich setzte mich aufs Bootsdeck und spielte Paparazzi, bis zu dem Moment, als Nico von der Welle erfasst wurde, auftauchte und sich an den Kopf fasste.
Spulen wir zum Morgen zurück, als ich noch fragte, ob wir unseren kleinen Medibeutel mit Pflastern, Mullbinden und Desinfektionsmittel mitnehmen wollen und als Antwort nur kam: Nö, ach Quatsch.
Mir wurde heiß, kalt und richtig schlecht, als sich Nico weitere Male an den Kopf fasste, Sarriel auf ihn zu schwamm und beide Richtung Boot kamen. Dann sah ich auch schon die blutverschmierte Kopfseite und kletterte hektisch die Minitreppe vom Dach. Beinahe wäre ich da auch noch hängengeblieben. Nicht vorzustellen.
Am Ende sah alles mit Wasser vermengt viel schlimmer aus. Jetzt ziert mittlerweile nur noch ein kleiner dünner Strich Nicos untere Augenbraue. Es war auch keine der mörderisch hohen Wellen im Spiel oder ein Kontrahent, der Nico vom Brett kicken wollte. Beim Auftauchen ist einfach die Spitze des Brettes an die Augenbraue geditscht. Weil ein Nico keinen Schmerz kennt, gab es für ihn am nächsten Tag gleich noch eine Surflesson.

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Nu reicht es aber auch langsam mit Surfen und wir sagen Bye Bye Indonesien. Insgesamt waren wir 45 Tage unterwegs und haben allerhand gesehen und konnten uns ein eigenes Bild von den ganzen vorab gelesenen Reiseberichten und Fotos machen. Indonesien ist zu 100% ein Besuch wert. Mittlerweile haben wir Singapur und Kuala Lumpur hinter uns gelassen und vermissen Indonesien wirklich sehr. Malaysia ist doch um einiges strukturierter und einfacher zu bereisen, was die Transportwege angeht, aber auch gerade deswegen sind wir froh, genau diese Reihenfolge gewählt zu haben. Die Umstellung ist so wesentlich einfacher. Indonesien ist so unglaublich vielfältig und mit ein wenig mehr Sportbegeisterung und Abenteuerlust, kann man noch so einige Dinge erleben.

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